500 Jahre Reformation

Baden-Württemberg erinnert an Martin Luther

Martin Luther selbst kam nach seinem berühmten Thesenanschlag im Jahr 1517 nur einmal in den Süden. Am 26. April 1518 stellte er seine Kritik an den damaligen Verhältnissen in Heidelberg zur Diskussion. Doch der Heidelberger Disput ging in die Geschichte ein und wurde zum Auftakt der Reformation zwischen Kurpfalz und Bodensee. Es waren junge Weggefährten wie Philipp Melanchthon und Johannes Brenz, die von Luthers Besuch inspiriert wurden und seine Gedanken in Württemberg und Baden erfolgreich verbreiteten. Spuren und Zeugnisse dieser Epoche lassen sich 500 Jahre nach Beginn der Reformation an zahlreichen Orten in Baden-Württemberg entdecken. Vielerorts erinnern außerdem Veranstaltungen und Ausstellungen an Luther und seine Zeitgenossen.

Ebenso unterschiedlich wie die einstigen Territorien im heutigen Baden-Württemberg war im 16. Jahrhundert auch die Ausprägung der Reformation in den verschiedenen Landesteilen. Keineswegs alle folgten streng der Lehre Luthers. Einen Sonderweg ging vor allem die Kurpfalz, wo die Reformation nach dem Vorbild des Schweizer Reformators Zwingli umgesetzt wurde. So mancher Richtungsstreit hat bis heute seine Spuren hinterlassen und die eine oder andere Kirche im Land wird noch immer von Katholiken und Protestanten gemeinsam genutzt.

In den katholischen Regionen des Südens begann schon um die Mitte des Jahrhunderts mit der Gegenreformation eine Bewegung, die sich entschieden gegen Luthers Ideen richtete. Vor allem die baulichen Zeugnisse dieser Zeit veranschaulichen bis heute den damaligen Machtanspruch der katholischen Seite. Im Rahmen des Themenjahrs „Über Kreuz – Reformation und Gegenreformation in Klöstern und Schlössern“ können Besucher der staatlichen Monumente in diesem Jahr vieles über die gegensätzlichen Glaubens- und Lebenswelten jener Epoche erfahren und die Schauplätze der religiösen Debatten und Umbrüche kennenlernen.

Luthers Kritik galt nicht zuletzt der römischen Kirche und dem Papst. Anlässlich des Reformationsjubiläums richten die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen deshalb ab Mai den Blick auf „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit den Vatikanischen Museen in Rom und zeigt wertvolle Kunst- und Kulturschätze aus 1500 Jahren Kirchengeschichte, von Petrus bis in die Zeit der Reformation. Dabei rücken auch Papstgeschichten aus der Region in den Mittelpunkt. Ein umfangreiches kulturtouristisches Netzwerk erschließt Pilgerwege, Wallfahrtsorte und jene Schauplätze, die von Päpsten besucht oder geprägt wurden. Dazu gehört etwa das ehemalige Zisterzienserkloster Bronnbach bei Wertheim im Taubertal. Die Abtei wurde über viele Jahrhunderte immer wieder von Päpsten bedacht oder gar besucht, etwa von Papst Eugen III. im Jahr 1153.

Jahrhunderte später wurde die Grafschaft Wertheim hingegen zu einem der ersten Unterstützer und Förderer der Reformation. Bereits 1522 ließ sich Graf Georg II. von Luther persönlich einen geeigneten Prediger empfehlen und setzte bald darauf die neue Lehre durch. Der Legende nach soll der Reformator selbst einst in Wertheim gewesen sein, dort eine Bratwurst gegessen und nicht bezahlt haben. Die Geschichte um den Zechpreller Luther ist vermutlich nicht mehr als eine schöne Anekdote. Das Gasthaus, in dem er eingekehrt sein soll, gibt es hingegen bis heute.

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