Schmuckmuseum Pforzheim

Schätze zu Alexander von Humboldts Reisewegen

Die Sonderausstellung „Offene Horizonte – Schätze zu Humboldts Reisewegen“ im Schmuckmuseum Pforzheim entwirft ein ganzheitliches Bild von Alexander von Humboldt, der vor 250 Jahren in Berlin geboren wurde und als eines der letzten Universalgenies gilt. Sie ist vom 13. April bis 8. September 2019 zu sehen.

Zwei große Expeditionen führten ihn nach Südamerika und Russland. Anhand von Texten, Bildern, Messinstrumenten, vielfältigen Artefakten und Schmuckstücken von seinen Reisewegen und Lebensorten widmet sich die Schau einem Forscher, dessen von den Idealen der Aufklärung geprägtes Weltbild nach wie vor fasziniert. Im Fokus stehen weniger die einzelnen Objekte und Schmuckstücke an sich, vielmehr geht es um den Zeitgeist und eine neue Dimension des Forschens. Die Persönlichkeit Alexander von Humboldts und sein umfassendes Werk, das seinen Blick auf das große Ganze widerspiegelt, werden anhand von Beispielen aus der damaligen Zeit beleuchtet.

Begleitend findet ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm statt, mit szenischen Lesungen, literarischen Waldspaziergängen, einem Vortragsabend mit Prof. Dr. Oliver Lubrich sowie einem Symposion am Internationalen Museumstag. Zur Eröffnung wird der Humboldt-Kenner Prof. Dr. Ottmar Ette sprechen.

Schmuck, Mineralien, Messinstrumente und Karten

Nach einer großen Wandinstallation im Entrée, die neben den Reiserouten auch Einblicke in den gedanklichen Kontext gibt, werden Exponate von Humboldts Lebensorten und Reisewegen gezeigt. So wird seine Jugend in Schloss Tegel skizziert und dargestellt, wie der Adels-Spross Humboldt zu dem freien Geist wurde, als der er die Welt bereiste. Eine Enzyklopädie für Kinder aus dem 18. Jahrhundert vermittelt zudem einen Eindruck davon, wie damals gelernt wurde. Andere Objekte stammen aus Paris, wo er insgesamt rund 20 Jahre lang lebte und seinen Reisebegleiter, den Arzt und Botaniker Aimé Bonpland, kennenlernte.

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Außerdem sind Artefakte zu sehen, denen Humboldt auf seinen Forschungsreisen nach Südamerika begegnet sein könnte. Ethnografischer oder ländlicher Schmuck wird ebenso zu sehen sein wie Kostbarkeiten aus der Bürgerschicht oder von Beamten, so zum Beispiel Ohrschmuck, Halsketten, Broschen und Ringe sowie farbenprächtiger Federschmuck. Denn der Forscher wurde immer wieder in angesehene städtische Salons eingeladen, sprach beim amerikanischen Präsidenten vor und verkehrte an den bereisten Orten in besten Kreisen.

Ein weiteres Bindeglied zwischen Humboldt und dem Schmuckmuseum sind Edelmetalle und Mineralien – die Rohstoffe, aus denen Schmuck hergestellt wird -, die ebenfalls in dieser Sonderausstellung zu entdecken sind. Alexander von Humboldt beschäftigte sich intensiv mit Mineralogie; er hatte ein Studium an der Bergakademie Freiberg absolviert und war – bis er mit 27 Jahren von seiner verstorbenen Mutter Geld erbte und damit dann seine Reisen finanzieren konnte – als Oberbergmeister tätig. Von seinen Reisen brachte er sehr viele Mineralien mit. In Russland hatte er sogar explizit den Auftrag, nach Bodenschätzen, Edelmetallen und Diamanten zu suchen und diese zu erforschen. Es gab auch konkrete Anfragen, zum Beispiel, ob man aus Platin Münzen herstellen könne. Humboldt interessierte sich umfassend für Mineralien, ihre Verwendung, ihren Handelswert und ihre Verarbeitung.

Auch die Humboldt so wichtigen Messinstrumente werden zu bestaunen sein, das heißt solche, die jenen ähneln, die er selbst verwendete, darunter Sextanten, Mikroskope und ein Theodolit, ein Winkelmessinstrument. Ein Exponat aus Humboldts persönlichem Besitz, nämlich ein kunstvoll bemalter chinesischer Fächer, ist ebenfalls zu betrachten.

Die gezeigten Landkarten schließlich verweisen darauf, dass der Forscher selbst viele zeichnete. So selbstverständlich Atlanten und Weltkarten heute sind, waren entlegenere Gebiete damals noch lange nicht vollständig kartografiert.

Neue Dimension des Forschens

Alexander von Humboldts moderne Denkweise gibt bis heute Impulse für die Wissenschaft. Bereits zu Lebzeiten war er ein „Megastar“ mit einer beeindruckenden Ausstrahlung, dessen Vorlesungen überlaufen waren. Seine Beobachtungen sorgten regelrecht für Furore, Goethe bewunderte ihn, auch Darwin ließ sich von ihm inspirieren, und seine Expeditionen wurden zum Vorbild für wissenschaftliche Expeditionen. Von 1799 bis 1804 bereiste der Kosmopolit Mittel- und Südamerika. Zwischen Krokodilen und Sandflöhen notierte, skizzierte und kartografierte er, befuhr den Orinoko, durchquerte den tropischen Regenwald, erklomm den damals als höchsten Berg der Welt geltenden Vulkan Chimborazo und erkannte während seiner detaillierten Bestandsaufnahmen globale Zusammenhänge zwischen den Vegetations- und Klimazonen auf der Welt. Er war Vorreiter in Sachen Umweltschutz und kritisierte vehement die Abholzung des Regenwaldes sowie den ausbeuterischen Anbau von Baumwolle.

Humboldt beschäftigte sich mit sehr vielen Forschungsgebieten: Vulkanologie, Magnetismus, Botanik, Landwirtschaft, Meteorologie, Ethnologie, Zoologie, Wirtschaft und Meereskunde. Dabei wollte er das Zusammenwirken der Kräfte verstehen. Wichtig war ihm auch die Vermittlung seiner Forschungen, Ideen und Erkenntnisse. Um die zahlreichen Beobachtungen zu publizieren, blieb ihm Zeit bis zu seinem Tod im Jahr 1859. Nach seiner Rückkehr aus Amerika schrieb er einem Freund: „Mit dreißig Kisten und botanischen, astronomischen, geologischen Schätzen beladen, kehre ich zurück und werde Jahre brauchen, mein großes Werk herauszugeben.“

Sein Denken war nicht im geringsten nationalistisch, und bei allen Turbulenzen und Kriegen, die Europa erlebte, bewahrte er stets seine Weltoffenheit. Trotz eines starken naturwissenschaftlichen Interesses verlor er nie den Blick auf die Menschen, schrieb unzählige Briefe, war mit zahllosen Wissenschaftlern weltweit vernetzt und setzte sich für junge Forscher ein. Seine unverstellte und aufgeklärte Weltsicht ist umso beeindruckender, als er in einer von instabilen territorialen Machtgefügen und von Kleinstaaterei geprägten Zeit lebte. Auch die Sklaverei und die christliche Missionierung wurden von ihm stark kritisiert.

All diese vielfältigen Aspekte lassen Humboldt in seinem kulturellen Kontext lebendig werden.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Cornelie Holzach, der Leiterin des Schmuckmuseums, und Kunsthistorikerin Dr. Martina Eberspächer.

Im Rahmen der Ausstellung »Offene Horizonte« präsentiert das Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät der Goldschmiedeschule Pforzheim vo 13. April bis 23. Juni 2019 neue Arbeiten, die zu einem kreativen Ausflug einladen. Rund 70 Schüler der drei Klassenstufen begaben sich auf ihre jeweils eigene Expedition. Dabei standen Weltentdecker und Forschungsreisen Pate für eine große Ideenvielfalt, die in der Werkstatt mit schöpferischen Lösungen umgesetzt wurden.


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